Posttraumatische Belastungsstörung – Therapieformen

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Eine posttraumatische Belastungsstörung kann das Leben des Betroffenen enorm einschränken. Daher ist es wichtig, frühzeitig zu reagieren und bei Bedarf entsprechende Therapieformen in Anspruch zu nehmen.

Was ist eine posttraumatische Belastungsstörung?

Die posttraumatische Belastungsstörung, kurz PTBS, ist eine verzögerte psychische Reaktion auf ein extrem belastendes Ereignis. Diese Erlebnisse können dabei von längerer oder kürzerer Dauer sein. Denn grundsätzlich ist jedes Erlebnis traumatisch, das die eigene Sicherheit des Körpers und im sozialen Umfeld gefährdet. Es gibt allgemein anerkannte, traumatische Erlebnisse wie schwere Unfälle, Gewaltverbrechen oder Naturkatastrophen. Aber auch kleine, alltäglichere Traumata wie eine abfällige Bemerkung können das weitere Leben grundlegend negativ beeinflussen. Die Wahrscheinlichkeit an einer PTBS zu erkranken ist bei durch Menschen hervorgerufene Traumata, wie beispielsweise sexueller Missbrauch, jedoch besonders hoch.

Die Begriffe Posttraumatische Belastungsstörung, Posttraumatisches Belastungssyndrom, Posttraumatisches Stresssyndrom oder die englische Bezeichnung Posttraumatic Stress Disorder (PTSD) werden gleichbedeutend verwendet. Gemäß der internationalen Klassifikation ICD-10 wird sie den Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen zugeordnet.

Woran erkennen Sie, dass Sie eine Therapie benötigen?

Bei einer PTBS erleben Betroffene meist Gefühle wie Angst und Schutzlosigkeit oder empfinden Hilflosigkeit und einen Kontrollverlust. Typisches Symptom für PTBS sind das Wiedererleben des Ereignisses in Form von Träumen oder Flashbacks. Daneben treten oftmals Vermeidungssymptome auf. Eine Person mit PTBS verhält sich dann gleichgültig, teilnahmslos und emotional abgestumpft. Häufig geht eine posttraumatische Belastungsstörung auch mit einem Zustand vegetativer Übererregtheit einher. Schlafstörungen, Reizbarkeit oder Konzentrationsschwierigkeiten sind dann die Folge.

Viele Betroffene leiden zudem unter schweren Schuldgefühlen, ihr Selbst- und Weltbild ist erschüttert und ihr Vertrauen in andere Menschen ist nachhaltig gestört. Die Leistungsfähigkeit nimmt deutlich ab und bereits alltägliche Aufgaben werden zur quälenden Herausforderung. Darüber hinaus steigt das Risiko für Suchterkrankungen, Depressionen und andere psychische Erkrankungen wie etwa einer Borderline-Persönlichkeitsstörung stark an.

Wenn Sie merken, dass Sie ein durchlebtes Trauma noch nicht bewältigt haben und einzelne oder mehrere der genannten Symptome auftreten, sollten Sie frühzeitig Hilfe aufsuchen. Spätestens wenn der Alltag zur Qual wird, ist es allerhöchste Zeit, die Belastungsstörung zu therapieren.

Die Diagnostik obliegt einem Psychiater beziehungsweise Neurologen, der die Symptome gemäß ICD-10 einordnet. In Tests und Gesprächen prüft er oder sie die Erinnerung und ob ein bestimmtes traumatisches Ereignis Ursache für die Symptome und Verhaltensweisen ist.

Welche Therapieformen sind möglich?

Die Therapiemöglichkeiten zur Behandlung posttraumatischer Belastungsstörungen sind vielfältig. Die Hauptsäulen bilden jedoch die Psychotherapie und die medikamentöse Pharmakotherapie. Wo letztlich der Behandlungsschwerpunkt liegt, ist von Art und Schweregrad der PTBS Erkrankung abhängig. Je nachdem kann sie dann ambulant, teilstationär oder stationär in einer Klinik erfolgen.

Ziel der Behandlung ist es, die Symptome der PTBS verschwinden zu lassen oder zumindest so zu lindern, dass der Traumatisierte sie besser kontrollieren kann. Am Ende der Therapie sollte sich der Betroffene dann ausreichend stabil fühlen, um wieder in seinen Alltag zurückkehren zu können.

Eine PTBS Therapie sollte nach Möglichkeit von einem speziell ausgebildeten und erfahrenen Psychiater oder Psychotherapeuten, einem sogenannten Psychotraumatologen, durchgeführt werden. Denn bei Anwendung eines falschen Therapieverfahrens besteht die Gefahr, dass sich das Trauma verfestigt und dem Betroffenen nicht geholfen wird.

Klassische Therapieformen

Kognitive Verhaltenstherapie

Bei der kognitiven Verhaltenstherapie geht es darum, Denk- und Verhaltensmuster, die durch das Trauma entstanden sind und das Leben des Betroffenen ungünstig beeinflussen, zu ändern. Gegenstand der Traumatherapie sind daher die Spätfolgen und nicht das Trauma an sich. Durch die Neubewertung der Wahrnehmung soll der Geschädigte merken, dass das traumatische Erlebnis keine katastrophalen Konsequenzen für sein Leben hat.

Typisch für diese Therapieform ist das strukturierte Vorgehen. Jede Therapiestunde wird gemeinsam mit dem Patienten geplant und für die Zeit zwischen den Sitzungen erhält er Hausaufgaben.

Die Verhaltenstherapie kann in weitere Varianten unterschieden werden:

  • Bei der Umstrukturierung nach Ehlers und Clark werden schlechte Einstellungen und Denkmuster identifiziert und nach und nach durch günstigere Sichtweisen ersetzt. Dafür erarbeitet der Therapeut mit dem Patienten zunächst die Momente des Traumas, die besonders belastend sind (sogenannte Hot Spots) und die damit verbundenen Einstellungen. Im nächsten Schritt wird die veränderte Sichtweise aktiv auf das Trauma übertragen. Daneben werden Reize, die traumatische Reaktionen hervorrufen, identifiziert und die Integration der traumatischen Erinnerungen gefördert. Indem sich der Patient die Geschehnisse entweder in Gedanken vorstellt oder diese aufschreibt, sollen Flashbacks an das Trauma verringert werden.
  • Eine weitere Variante der Verhaltenstherapie ist die Konfrontation in sensu. Bei dieser soll die Verarbeitung durch wiederholte Erinnerung und Auseinandersetzung mit dem traumatischen Ereignis gefördert werden. Dafür stellen Therapeut und Patient zunächst eine Liste mit den am meisten belastenden Erinnerungen zusammen, bevor er damit konfrontiert wird. Die Beschreibung der traumatischen Szene wird so lange wiederholt, bis Angst und Erregung nachlassen. Untersuchungen haben gezeigt, dass sich mit dieser Therapieform Flashbacks und Symptome der Übererregung wirksam reduzieren lassen.
  • Bei der Konfrontation in vivo soll sich der traumatisierte Mensch mit Situationen auseinandersetzen, die bei ihm aufgrund des Traumas starke Ängste hervorrufen. Der Therapeut legt die Aufmerksamkeit des Patienten dabei auf die angstauslösenden Aspekte und auf dessen Symptome. Der Patient bleibt so lange in der Situation, bis seine Angst deutlich nachlässt. Jede Übung wird dafür genau geplant und in der darauffolgenden Stunde noch einmal besprochen.

EMDR

Neben der kognitiven Verhaltenstherapie ist die Wirksamkeit der EMDR nach Shapiro zur Behandlung von PTBS in Studien bisher am besten belegt. EMDR steht als Abkürzung für Eye Movement Desensitization and Reprocessing – zu deutsch: Augenbewegungs-Desensibilisierung und Wiederverarbeitung. Sie wird häufig in Kombination mit anderen Therapieformen angewandt.

Bei der EMDR soll sich der Patient unter Anleitung des Therapeuten an das traumatische Erlebnis erinnern und dabei seine Gedanken, Gefühle und körperlichen Empfindungen wahrnehmen. Gleichzeitig bewegt der Therapeut einen Finger rasch hin und her, dem der Patient mit den Augen folgen soll. Die Vorstellung der traumatischen Situation wird so oft wiederholt, bis die akute Belastungsreaktion abgenommen hat.

Bisher ist noch nicht ganz klar, wie die EMDR-Methode genau wirkt. Forscher gehen davon aus, dass die Informationsverarbeitung im Gehirn durch die raschen Augenbewegungen gefördert wird. Einige Studien lassen aber vermuten, dass vor allem die Konfrontation mit dem Trauma und seine Neubewertung hilfreich sind. Die schnellen Augenbewegungen seien daher nicht unbedingt notwendig.

Hypnotherapie nach Erickson

Die Hypnotherapie nach Milton Erickson ist eine der bekanntesten hypnotischen Lehrarten. Bei dieser werden Trancezustände systematisch für therapeutische Zwecke genutzt. Dadurch hat der Patient einen besseren Zugang zu den eigenen inneren Bedürfnissen und Wünschen.

Bei dieser Therapieform wird davon ausgegangen, dass der menschliche Organismus so etwas wie eine innere Weisheit im Unterbewussten besitzt, mit der jeder Mensch seine Probleme letztlich selbst lösen kann, wenn ihm der Zugriff darauf gelingt. Dafür werden hypnotherapeutische Methoden eingesetzt. Diese sollen helfen, die unbewussten Fähigkeiten wieder verfügbar zu machen, um sie effektiv nutzen zu können.

Im Gegensatz zur klassischen Hypnose wird hierbei nur selten mit direkten Suggestionen gearbeitet, sondern mehr mit indirekten im Sinne von Vorschlägen. Diese sollen das Entstehen eigener innerer Bilder anregen. Dafür ist es nicht unbedingt nötig, in eine tiefe Trance einzutauchen. Bei der Behandlung einer posttraumatischen Belastungsstörung geht es vielmehr darum, eine gute Zusammenarbeit der bewussten und unterbewussten Fähigkeiten zu erreichen. Ein leichter Trancezustand ist somit völlig ausreichend und angemessen.

Neue Therapieformen

TBT nach Rehana Webster

Die zentrale Technik, die in meiner Therapie Anwendung findet, wurde von der Australierin Rehana Webster entwickelt. Es ist eine Kombination aus Elementen des NLP und der Klopfakupressur. Webster hat zehn Jahre an der Verfeinerung ihrer Technik, die sie „Trauma Buster Technique“ (TBT) genannt hat, gearbeitet und blickt auf große Erfolge in ihrer Arbeit mit traumatisierten Erwachsenen und Kindern, Haftinsassen, Flüchtlingen und Soldaten zurück.

TBT nutzt neueste Erkenntnisse über die Neuroplastizität des Gehirns: die Fähigkeit unserer Gehirnzellen, sich zu lösen und neue Verbindungen einzugehen (Siehe auch “Neustart im Kopf: Wie sich unser Gehirn selbst repariert” von Norman Doidge, M.D. – forscht als Psychiater und Psychoanalytiker am Columbia University Center for Psychoanalytic Training and Research in New York und an der University of Toronto. Seine Veröffentlichungen als Autor und Essayist sind mehrfach ausgezeichnet worden.“Neustart im Kopf“ wurde von der Dana Brain Foundation als „bestes Sachbuch aller Zeiten über das Gehirn“ prämiert. 2015 erschien bei Campus sein Buch „Wie das Gehirn heilt“).

MR nach Karl Dawson

Wenn man sich nicht mehr an die traumatische Erfahrung erinnern kann, sondern nur noch negative Gefühle davon zeugen, ist MR eine fantastische Methode, diese Erfahrungen ‚umzuschreiben‘. Man begibt sich dabei in der Vorstellung als erwachsene, starke Persönlichkeit in die Vergangenheit, um seinem jüngeren Ich zu helfen. Die Auswirkungen so einer Fantasiereise, bei der auch Elemente der Klopfakupressur und NLP eingesetzt werden, sind erstaunlich. MR ist die Abkürzung für Matrix Reimprinting, was „Erinnerungen neuprägen“ bedeutet.

TBT nach David Berceli, Osteopathische Selbstbehandlung nach Thomas Seebeck

Wenn das Trauma eine starke körperliche Komponente hat und sichtbare Einschränkungen im Bewegungsapparat vorhanden sind, setze ich weitere, eher körperbasierte Techniken ein: z. B. die „Trauma and Tension Releasing Exercises“ nach David Berceli oder die „Osteopathische Selbstbehandlung“ nach Thomas Seebeck, Präsident und Lehrer in der osteopathischen Vereinigung DAGOT und mein Bruder. Einmal gelernt können diese Techniken auch allein bei jeder Art von Verspannungen und Blockaden eingesetzt werden.

Wie hoch sind die Erfolgschancen, eine posttraumatische Belastungsstörung zu lindern?

In den meisten Fällen sind die Heilungschancen für eine posttraumatische Belastungsstörung gut, sofern rechtzeitig eine geeignete Therapie eingeleitet wird. Etwa die Hälfte der Betroffenen wird sogar ohne Behandlung gesund (sogenannte Spontanremission). Eine posttraumatische Belastungsstörung dauert mit einer adäquaten Behandlung durchschnittlich drei Jahre, ohne Traumatherapie fast doppelt so lange. Die Entscheidung für eine PTBS Therapie oder Psychotherapie ist mit Hinblick darauf also noch sinnvoller.

Denn therapeutisch gesehen stehen mit den oben genannten Methoden seit einigen Jahren gut untersuchte Verfahren zur Verfügung, die wirksam helfen, das massive Leiden von Personen mit posttraumatischer Belastungsstörung langfristig und effektiv zu lindern.

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